Der Garten der Anderen

Meine Freundin Michèle Minelli hat einen neuen Roman veröffentlicht: „Der Garten der Andren“ bei Salis, Zürich. Ein echtes Garten-Jahr für uns beide.

Hier meine Mini-Rez als Appetizer:

Ein literarisches Vexierspiel

Eigentlich scheint der Fall klar – ich-Erzählerin Lili fällt es schwer Wurzeln zu schlagen in ihrem neuen Leben auf dem Land mit ihrem Freund Fred, dem Bauern; als sie entdeckt, dass ihr Idol, der alternde Schriftsteller Noah Berger im Nachbardorf wohnt, sucht sie Halt in der Idee, seine Biografin zu werden. Auch durch die von Noahs Frau Sonia faktisch verhängte Kontaktsperre lässt sie sich nicht davon abbringen; im Gegenteil: Lili füllt die Lücken mit Fiktion, erschreibt eine Parallelwelt, in der sie nicht nur Noah und seine Frau neu erfindet, auch sich und Fred gibt sie ein anderes Leben, eigene Perspektiven in der neuen Erzählung. Immer wieder greift Lili dabei auf die wohldosiert ausgeteilten Informationshäppchen Sonias zurück und auf deren Schreibtipps (mit denen sie großzügiger ist als mit biografischen Details), verfremdet sie, verdreht sie, so dass sie kaum wieder zu erkennen sind. Und dann gibt es Momente, in denen das Leben von Lili und Fred, Sonia und Noah das ihrer fiktionalen Gegenparts aufzugreifen scheint. In diesen Momenten kippt die Geschichte, das Verhältnis von Erzähler und Erzählten, Life und Art und man fragt sich mit einem wohligen Schwindel, ob es nicht ganz anders ist, gar nicht ich-Erzählerin Lili sich das alles erdacht hat, sondern Noah und man dem alten Meister auf den Leim gegangen sein könnte.

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